Bildungskredite

Bildungskredite

Wenn es nicht möglich ist, sein Studium anderweitig zu finanzieren, stellen die verschiedenen Varianten von Bildungskrediten auch eine Möglichkeit dar, an Geld zu kommen. Aber es sollte beachtet werden, dass man sich dadurch hoch verschulden kann und diese Schulden am Anfang der späteren Berufslaufbahn erst einmal zurückgezahlt werden müssen! Gerade deshalb sollte ein Bildungskredit nur dann abgeschlossen werden, wenn es keine Möglichkeit gibt, das Studium durch BAföG, Arbeit oder mit Hilfe von Eltern und Verwandten zu finanzieren.

Eine kurze Beispielrechnung verdeutlicht die ‚Problematik: Wenn man bei der KfW-Bank seinen Bachelorstudiengang (Dauer sechs Semester, also 3 Jahre) über einen Kredit finanziert und sich den Höchstsatz von monatlich 650€ auszahlen lässt, sitzt man nach dem Abschluss mit 23.400€ in der Kreide. Und in dieser Rechnung sind die Zinsen noch nicht mit einberechnet!

 

Fragen zu Bildungskrediten:

Was ist ein Bildungskredit eigentlich und wozu ist er da?

Ein Bildungskredit dient dazu, das Studium, die Studiengebühren und den Lebensunterhalt während des Studiums zu finanzieren. Vom BAföG unterscheidet sich der Bildungskredit dadurch, dass er unabhängig vom Einkommen der Eltern vergeben wird, man die Höhe der monatlichen Auszahlung bis zu einem maximalen Höchstsatz in der Regel selbst bestimmen kann und „normale“ Zinsen bezahlen muss. Bildungskredit sind außerdem mit dem BAföG kombinierbar. Ein Teilerlass der Schulden ist, anders als beim BAföG, unter keinen Umständen möglich. Jeden Cent, den man sich auszahlen lässt, muss zurückbezahlt werden, wie bei jedem herkömmlichen Kredit!

Wie Funktioniert ein Bildungskredit?

Die Abwicklung eines Bildungskredites lässt sich in drei Phasen unterteilen:

  1. Die Auszahlungsphase, in der man einen monatlichen Betrag, den man bei Abschluss des Kredites festgelegt hat, ausbezahlt bekommt
  2. Einer rückzahlungsfreien Zeit, in welcher der Kredit ruht, also weder Geld ausgezahlt wird, noch Schulden getilgt werden müssen.
  3. Einer Rückzahlphase, in der man seine Schulden begleichen muss.

Zu beachten ist aber, dass in der rückzahlungsfreien Zeit selbstverständlich weiterhin Zinsen anfallen und der Schuldenberg weiter anwächst.

Wer bietet Bildungskredite an?

Fast jede Bank bietet inzwischen in irgendeiner Form einen Bildungskredit an. Besondere Erwähnung verdient hier die staatliche KfW-Bank, da sie besonders günstige Angebote bereitstellt. Einige private Banken arbeiten auch direkt mit der KfW zusammen und haben selbst keine eigenen Produkte im Angebot.

Andere private Banken dagegen bieten eigene Produkte an: Die verschiedenen Kreditvarianten unterscheiden sich vor allem in der maximalen Auszahlungshöhe, den Zinssätzen, der Länge der rückzahlungsfreien Zeit und der Rückzahlungsdauer.

Zusätzlich bietet das Bundesverwaltungsamt einen extrem günstigen Bildungskredit an (nur 2,05% effektiver Jahreszins. Stand: 10/2009). Allerdings ist die Auszahlung auf 24 Monate beschränkt. Außerdem ist der Geldbetrag von 100€ bis 300€ unter Umständen zu gering. Der Vorteil besteht im späten Beginn der Rückzahlung (vier Jahre nach Auszahlungsende) Nähere Informationen dazu unter:

http://www.bva.bund.de/DE/Aufgaben/Abt__IV/Bildungskredit/bildungskredit-node.html?__nnn=true

Bekommt jeder einen Bildungskredit?

Die Bildungskredite werden in der Regel unabhängig vom Studiengang vergeben. Deswegen sollte jeder einen Bildungskredit bekommen, der einen möchte. Garantien oder gar Rechtsanspruch gibt es - wie bei anderen Krediten auch - nicht.

Für Studenten, die nicht in Besitz der deutsche Staatsbürgerschaft sind, ist es schwieriger an einen Bildungskredit zu kommen. Bei der KfW z.B. muss ein dreijährigen Aufenthalt in der BRD vor Beginn des Studiums nachweisen werden.

 Wie bekommt man einen Bildungskredit?

Um einen Bildungskredit abschließen zu können, braucht man vor allem eines: jede Menge Unterlagen. Welche Unterlagen genau benötigt werden, hängt von der jeweiligen Bank ab. Diese Unterlagenliste sollte man am Besten bei einem persönlichen Beratungsgespräch erfragen.

Was passiert, wenn ich den Kredit nicht zurückzahlen kann, weil ich z.B. nach dem Studium keinen Job finde?

In der Regel haben sich die Banken über diesen Fall Gedanken gemacht. Aber: zahlen werdet Ihr wohl so oder so müssen. Am wahrscheinlichsten ist es, dass Ihr eine Stundung der Rückzahlung oder eine Verlängerung der Rückzahlungsphase herausschlagen könnt. Wichtig ist aber vor allem eines: meldet der Bank so früh wie irgendwie möglich, dass Ihr ein Problem mit der Rückzahlung habt. Wenn Ihr euch kooperativ zeigt, wird euch das mit Sicherheit positiv angerechnet.

Eure Eltern haften auf keinen Fall für euren Bildungskredit. Dieser ist ganz allein euere Sache. Ihr setzt also nicht das Vermögen euerer Eltern mit aufs Spiel.

 

Zum Schluss kann nur noch einmal darauf hingewiesen werden, dass der Abschluss eines Bildungskredites gut überlegt sein will.

Der Vorteil ist ein regelmäßiges, festes Einkommen ohne großen Zeitaufwand.

Die Nachteile liegen in der Gefahr in die Schuldenfalle zu geraten, falls man keinen Job findet oder aus anderen Gründen den Kredit nicht zurückzahlen kann, sowie in den finanziellen Belastungen in der beruflichen Einstiegsphase, die sich negativ auf die Lebensplanung und -qualität auswirken können.

 

Studiendarlehen

Als Alternative zum Bildungskredit kann man durchaus das Bayerische Studienbeitragsdarlehen betrachten. Hier wird von der KfW-Bank den Betrag der Studiengebühren (an der LMU derzeit 500€ pro Semester) ausbezahlt, wobei das Geld direkt an die Uni überwiesen wird.

Dieses Darlehen dient ausschließlich der Finanzierung der Studiengebühren und ist mit dem BAföG kombinierbar, wobei eine Verschuldungsgrenze von zusammen 15.000€ besteht. Die Rückzahlung, inklusive Zinsen, beginnt spätestens zwei Jahre nach dem Abschluss und unter Berücksichtigung eines Mindesteinkommens von 1.140€. Die Rückzahlung kann auf bis zu 25 Jahre gestreckt werden.

Vorteile: Es fallen weniger Schulden im Vergleich zum Bildungskredit an, die Rückzahlung passt sich an das Einkommen an, die Verschuldungsgrenze schützt vor Überschuldung.

Nachteile: Es besteht grundsätzliche eine Verschuldung, welche die Lebensqualität und Lebensplanung im frühen Berufsleben beeinträchtigen kann.

Deshalb: Auch das Studiendarlehen sollte erst am Ende der finanziellen Überlegungen stehen, ist aber im Zweifelsfall einem Studienkredit vorzuziehen!

Weitere Infos zum Studiendarlehen findet Ihr auf der Seite des bayerischen Wissenschaftsministeriums:

http://www.stmwfk.bayern.de/Hochschule/Studienbeitraege.aspx - Darlehen

 

 

Falls noch Fragen offen sein sollten, schickt uns doch einfach eine E-Mail, wir helfen euch dann gerne weiter. Selbstverständlich könnt Ihr uns auch eigene Erfahrungen mit Bildungskrediten mitteilen, damit wir unser Wissen erweitern können und die Fragen eurer Kommilitoninnen und Kommilitonen noch besser beantworten können.